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Gimmie an "F"
Festivals sind nicht tot zu kriegen

By the time we got to Woodstock we were a half a million strong - and everywhere there was song and celebration.
(Joni Mitchell)

Aber Woodstock war nicht der Anfang.
Eigentlich waren es die Jazzer und Folkmusiker, die die Idee mit den Festivals hatten.
Was im Zusammenhang mit Rockmusik dann in den 60er Jahren zu einem Element der Gegenbewegung wurde, hatten die Bildungsbürger allerdings schon sehr viel früher praktiziert: die Aufführungen von Opern und anderen Meisterwerken bei "festlichen Anlässen" oder periodisch wiederkehrender "Festspiele".

Richtig los ging es mit dem Newport Folk Festival im Sommer 1963. Das alljährliche Treffen prominenter Folkmusiker bekam hier eine andere Qualität: eine Anbindung an die politische Situation in den USA und die Bürgerrechtsbewegung. Als zum Ausklang am 26. Juli Bob Dylan, Joan Beaz, Pete Seeger, Peter, Paul and Mary und die schwarzen Freedom Singers "Blowin' in the Wind" anstimmten, sich unterhakten oder an den Händen faßten, um schließlich die alte Baptisten-Hymne "We shall over come" - das Erkennungslied der Bürgerrechtsbewegung - zu singen, proklamierten sie symbolisch eine neue Nation. Sechs Jahre später wurde die "Woodstock Nation" geboren.

Als dann aus Folk "Electric Folk", aus Beat "Rock" und aus diesem "Acid Rock" wurde, als Hippies und Flower Power die Bühne betraten, begann ein Festival-Boom. Nur einige Meilensteine: Am 14. Januar 1967 fand in San Francisco vor etwa 20 000 Leuten das erste größere Rockfestival, natürlich als "free concert", unter dem Motto "Gathering of the Tribes" statt. Jefferson Airplane verewigte es in ihrem Song "Saturday Afternoon". Schon kurz danach wurden aber leider aus diesen "Love-ins" und "Be-ins" Veranstaltungen, bei denen der Kommerz im Vordergrund stand: mehr oder weniger gut, aber voll durchorganisiert; zahlreiche Top-Acts, aber auch (für damalige Verhältnisse) saftige Eintrittspreise, ein Riesenaufgebot an Presse, komplette Mitschnitte für die Vermarktung als Platte oder Film - und auf der anderen Seite die Illusion von Subkultur oder "Love and Peace" für ein paar Tage. Von "Papa" John Philipps initiiertem "Monterey Pop" über das erste Isle of Wight-Festival 1968 zum legendären Woodstock-Festival bis zur Ernüchterung von Altamont im Dezember 1969 mit einem von Hell's Angel (als Ordner engagiert) auf der Bühne zusammengeschlagenen Airplane-Sänger Marty Baluin und dem Mord an Meredith Hunter während des Auftritts der Rolling Stones.

Auch in Europa kam es zu einer Reihe von Mammutveranstaltungen: erinnert sei an Fehmarn, Scheessel, Germersheim, Roskilde (bis Heute) oder Montreaux (für die Schickeria). Teilweise gigantische Pleiten, aber auch das eine oder andere Highlight in der persönlichen "Rockbiographie" der Besucher. Wie schrieb doch die Zeitschrift "Sounds" Anfang der 70er: "Festivals" scheinen eine gigantische Anziehungskraft zu haben. Ob's aus Kübeln schüttet, ob die Sonne einem die Schwarte verbrennt, gleich Schwärmen von Lemmingen zieht so ein Festival die Besucher unterschiedlichster Provinzen an. Die Veranstalter hingegen, Pleite auf Pleite ihrer Konkurrenten ignorierend, stürzen sich, frei nach dem Motto "da muß doch 'ne schnelle Mark mit zu verdienen sein" voll hinein in den Festival-Rummel und landen allzu oft ebenfalls auf dem Bauch. Der gnadenlose Kommerz, üble Geschäftspraktiken mancher Veranstalter (z. B. Ankündigen von Top-Gruppen, die dann nicht auftreten "konnten") und oft menschenunwürdige Bedingungen auf dem Festivalgelände führten zwar zeitweilig zu Kritik, Verärgerung oder Verweigerung: Jedoch war der grundsätzliche Gedanke nicht tot zu kriegen.

Wem Riesentheater wie "Rock am Ring" zu stressig und zu teuer sind, hat heute glücklicherweise die Möglichkeit, eine Vielzahl kleiner, aber feiner Festivals zu besuchen - oft mit einem qualititiv besseren und vielseitigerem Angebot an Solisten und Bands und mehr Spaß auch drumherum; eine Topadresse: Burg Herzberg.

MichaelSandfort/Bernd Ziegler
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